Historie

Ein halbes Jahrhundert Tischtennis im TuS Ferndorf

In England wurde Prinzessin Elisabeth zur Königin gekrönt, erstmals bestieg ein Mensch den Mt. Everest und der VW-Käfer war noch für 4000,- DM zu bekommen.
Genau in dem Jahr, in dem die Ferndorfer Feldhandballer Westfalenmeister wurden, da begann man in Ferndorf 1953 mit dem Tischtennissport.
Der Grundstein für die Tischtennisabteilung wurde bei Stengers gelegt. In deren Kornkammern hatte die Gruppe um Helmut Stenger, Gerd Siebel, Gerhard Klein und Walter Schweissfurth die Möglichkeit auch bei schlechtem Wetter dem Tischtennissport nach zu gehen.
Der Anfang war gemacht und im selben Jahr wurde im TuS Ferndorf eine Tischtennis- Abteilung gegründet und die erste Seniorenmannschaft dem Kreis Siegen zum Meisterschaftsbetrieb gemeldet. Sonntagsmorgens um 10.00 Uhr fanden in der Turnhalle neben Hotel Finke die ersten Meisterschaftsspiele statt. Trotz großer Schwierigkeiten (einzige Trainingsmöglichkeit war Mittwoch, 22.00 – 24.00 Uhr) gelang der Aufstieg in die 1.Kreisklasse bereits im Jahr 1955. Aufgrund von Spielerabgängen und verspäteter bzw. gar nicht gezahlter Verbandsabgaben stand die Abteilung aber bereits 1956 vor dem Aus.

Walter Schweissfurth dankte als Abteilungsleiter ab und Georg Franz übernahm die kläglichen Reste einer in einem desolaten Zustand befindlichen Abteilung. Eberhard Bienhaus wurde zum Abteilungsleiter ernannt.
Die Suche nach geeigneten Trainingsmöglichkeiten war in den nächsten Monaten das bestimmende Problem. Über die ‚alte Schule‘ neben dem heutigen Heimatmuseum und die ‚kleine Schule‘, die man in Eigenregie komplett renovierte, wurde 1957 der Kinosaal der Gaststätte Rottmann die neue Trainingsstätte der Abteilung. Trotz teils katastrophaler Umstände (schlechte Lichtverhältnisse, keine Belüftung, Zahlung der Stromkosten aus eigener Tasche) stieg die Zahl der Aktiven weiter an.
Im Jahr 1959 holte die Jugendmannschaft sensationell den Kreismeistertitel, obwohl viele erst ein halbes Jahr in der Abteilung aktiv spielten.
Nach sieben schweren Jahren konnte man endlich im Oktober 1960 die neue Schulturnhalle beziehen. Leider blieb die Trainingszeit auf 2 Stunden beschränkt. Freitags von 18.30 – 20.30 Uhr fanden sowohl Training als auch Meisterschaftsspiele statt.
So konnte man auch erstmals Vereinsmeisterschaften austragen, die im Dezember von Dieter Henkel gewonnen wurden.

Durch das frühe Ansetzen der Meisterschaftsspiele und die dadurch entstandenen Probleme für die Gastvereine drohte der Kreis mit Strafen. Doch durch die Unterstützung des 1. Vorsitzenden, Fritz Crevecoeur und dessen Stellvertreter, Theo Schweissfurth wurden auch diese Hürden gemeistert. Die Abteilung wurde allmählich existent.
1961 wurden mit 140 Teilnehmern erstmals die Kreismeisterschaften in Ferndorf ausgetragen. Die Zahl der Aktiven war auf 20 gestiegen. In den Folgejahren ging es mal auf und mal ab. Dem Abstieg 1962 in die 2. Kreisklasse folgte 1963 der Wiederaufstieg mit noch nie da gewesenen 32-0 Punkten.

Im September 1969 erfolgte der Umzug in die Realschulturnhalle Kreuztal, wo mit anfangs 4 Trainingsstunden nach langen Jahren endlich die Gelegenheit zu intensiverem Training gegeben war. Erstmals agierte eine Abteilung des TuS in einer Halle außerhalb Ferndorfs. Mit den Worten: ‚Euch kann ich getrost ziehen lassen, ihr schafft das schon‘ wurde das Vorhaben vom 1. Vorsitzenden unterstützt. Es wurde bald eine 2. Seniorenmannschaft ins Leben gerufen und außerdem sorgten zwei Jugendmannschaften für den nötigen Aufwind.

Erstmals wurden am 25./26.04.1970 die Kreuztaler Stadtmeisterschaften ausgerichtet.

Im Jahr 1974 gelang endlich der heiß ersehnte Aufstieg in die Kreisliga. Am 27.11.1974 erfolgte der für lange Zeit letzte Umzug in die Halle D der Dreifachsporthalle Kreuztal. Seit dieser Zeit sorgen drei Trainingsabende mit insgesamt 11 Trainingsstunden für die besten Trainingsmöglichkeit seit Beginn der Abteilung. Die Stadtmeisterschaften fanden im Jahr 1975 erstmals in de Großturnhalle statt und erreichten im Jahr darauf eine Teilnehmerzahl von 220.

In der Saison 1975/1976 wurde eine dritte Seniorenmannschaft gemeldet und somit der steigenden Anzahl der Aktiven Rechnung getragen. Die erste Mannschaft wurde im Jahr 1977 Kreisligameister und stieg erstmals in die Bezirksklasse auf.

Im Jubiläumsjahr 1978 gelang dann der Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte. Alle drei Seniorenmannschaften stiegen auf.

Dasselbe Kunststück gelang dann 7 Jahre später erneut.. Die erste Mannschaft stieg 1985 in die Bezirksliga auf, die Zweite spielte in der Bezirksklasse und die dritte Seniorenmannschaft schaffte den Sprung in die 1. Kreisklasse. Für jeden Titel gab es noch ein Fass Bier von einer einheimischen Brauerei gesponsert, welche in einer Riesenfete in der SGV Hütte gemeinsam getrunken wurden. Noch heute erinnert man sich gerne an diese Feier.

1980 stieg die erste Herrenmannschaft als Tabellenvierter, nach dem Rückzug einiger Mannschaften, überraschend noch in die Landesliga auf. In den beiden Folgejahren stieg man jedoch zweimal wieder ab und befand sich 1982 wieder in der Bezirksklasse.

1983 musste die Damenmannschaft mangels aktiven Spielerinnen zurückgezogen werden. Im Jahr darauf stiegen sowohl die 2. Herrenmannschaft in die Kreisliga, als auch die Jugendmannschaft in die Bezirksklasse auf.

1985 brach dann eine Heiratswelle aus: Andreas Nell, Georg Franz und Wolfgang Flender traten in den Stand der Ehe ein. Im Jahr darauf folgte dieser Heiratswelle eine Geburtswelle, denn nach Wolfgang Flender Ende 1985 wurden mit Jürgen Dilgert, Andreas Nell und Georg Franz noch drei weitere Aktive Väter. Die Stadtmeisterschaften erreichten im Jahr 1986 eine Rekordteilnehmerzahl von 260 Meldungen. Ein deutliches Zeichen für das immer stärker werdende Interesse an unserem Sport. Dies wurde unterstrichen durch die Tatsache, das in diesem Jahr erstmals eine vierte Herrenmannschaft für den Spielbetrieb gemeldet werden konnte. Leider stieg die 2. Mannschaft wieder aus der Bezirksklasse ab.

1987 musste man die vierte Mannschaft wieder vom Spielbetrieb zurückziehen.

Im Jahr 1990 beendete dann Georg Franz, nach knapp dreißigjähriger Amtszeit, seine Tätigkeit als Abteilungsleiter. An dieser Stelle möchte ich nochmals das jahrelange Engagement hervorheben, mit dem er diese, sicher nicht immer leichte Aufgabe ausgeübt hat. Welche Lücke er in diesem Bereich hinterließ, haben die ersten drei Jahre danach gezeigt. Ende 1992 musste man zudem den beruflich bedingten Weggang von Fred Sassmannshausen verkraften, der sich nach Koblenz veränderte und eine große Lücke, vorallem im Jugendbereich, hinterließ.
Doch man machte das Beste daraus und bereits ein Jahr später ging die Abteilungsfahrt aus Anlass des 40-jährigen Abteilungsjubiläums Richtung Vallendar, der neuen sportlichen Heimat von Fred. Die Jahre 1992 und 1993 waren geprägt durch einige Wechsel in der Abteilungsleitung bis dann Jürgen Dilgert die Abteilung wieder in ruhigere Bahnen lenkte. Sportlich ist in dieser Zeit hervorzuheben, dass es mit Jürgen Lindenberg erstmals einem Spieler gelang 5 x in Folge Vereinsmeister zu werden. In den Jahre 1992 bis 1996 war er innerhalb der Abteilung nicht zu schlagen. Durch die Leistungsstärke dieses Spielers, aber auch der Stärke der anderen, gelang es sich jahrelang in der Bezirksliga zu etablieren. Im Frühjahr 1998 zog man dann erneut um. Die neu errichtete Zweifachhalle bietet seitdem die neue Trainingsstätte der Tischtennisabteilung. Aufgrund der problematischen Hallenbelegung gerade dieser Halle, werden seit 2002 die Meisterschaftsspiele jedoch wieder in der Halle D der Dreifachturnhalle ausgetragen. 1999 erhielten wir erstmals den Zuschlag für die Ausrichtung des Ortentscheides für Minis unter der Führung des DTTB. Im Jahr 2000 erlangte die 1. Jugendmannschaft mit dem Aufstieg in die Verbandsliga, den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Die jahrelange, kontinuierliche Aufbauarbeit hatte sich ausgezahlt. In der Aufstellung: Jan Schreiber, Manuel Simm, Andreas Rohn und Patrick Flender spielte man in der höchsten deutschen Jugendklasse. Im Jahr 2001 richteten wir erstmals die Westdeutschen Schülermannschaftsmeisterschaften aus. Diese Veranstaltung war für alle Beteiligten ein großer Erfolg, denn obwohl wir erst kurzfristig für einen anderen Veranstalter eingesprungen waren, wurden alle organisatorischen Aufgaben zur Zufriedenheit aller erledigt. Daher wurde uns bereits angeboten auch weiterhin solche Veranstaltungen für den WTTV auszurichten. In diesem Jahr 2003 gelang, wie bereits zum 25 jährigen Jubiläum, erneut der Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Bezirksliga. Vorallem die Art und Weise dieses Aufstieges lässt für die nächste Saison einiges erwarten. Nach dreijähriger Pause fanden in diesem Jahr außerdem die Stadtmeisterschaften erstmals als offenes Turnier statt, d.h. es konnte jeder aus dem Bereich des Bezirkes Siegerland teilnehmen. Das große Interesse und die erstaunlich hohe Teilnehmerzahl haben uns motiviert, bereits jetzt mit den Vorbereitungen auf das kommende Jahr zu beginnen. Doch es wird nicht nur Tischtennis gespielt. Wanderungen nach Helberhausen, zum Kindelsbergturm oder nach Müsen wurden ebenso durchgeführt wie Ein- oder Mehrtagesfahrten nach Vallendar, Würzburg oder an die Mosel. Ende der Siebziger fand sogar eine Autorallye statt. Teilnahmen an Kreismeisterschaften, Bezirksmeisterschaften gehörten ebenso dazu, wie die legendären Feiern in ‚Flenders Hütte‘. Den meisten ist bestimmt auch noch die Feier in der SGV Hütte Ferndorf zum Aufstieg der drei Herren -mannschaften im Jahre 1985 in Erinnerung. Dort fand auch die vorerst letzte Feier zum 50 jährigen Abteilungsjubiläum statt. An dieser Stelle sei auch nochmal den Freunden und Förderern der Tischtennis- Abteilung gedankt, die sich in all den Jahren, vorallem in den schweren Anfangsjahren, für den Tischtennissport engagiert haben. Nur dadurch war es möglich die Abteilung in seiner jetzigen Form entstehen zu lassen. Wir sollten alles dafür tun, das sich auch in den nächsten 50 Jahren möglichst viele, vorallem Jugendliche für den Sport im Verein und damit für die Gesellschaft entscheiden.